Auf der Suche nach der schönen Stadt
Unter diesem Titel trug Achim Dahlheimer, Referatsleiter im Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung »Destroy / Create« zur Wahrnehmung von Stadt vor. Wie wichtig ist die Schönheit einer Stadt für das Wohlfühlen der in ihr lebenden Menschen? Ist Attraktivität mit Schönheit gleichzusetzen, oder wird nicht pure, ungestörte Schönheit langweilig? Bieten nicht gerade Orte mit Brüchen und Widersprüchen bei der Nutzung von Stadträumen eine besondere Attraktion? Auf diese und weitere Fragen und Aspekte lenkte Dahlheimer den Blick und nannte Voraussetzungen und Bedingungen dafür, dass eine Stadt schön wird und bleibt. Aus seiner Sicht müsse zunächst Verständnis für gute Gestaltung geweckt werden. Dahlheimer hält dies auch für eine Frage der Bildung im wahrsten Sinne des Wortes. Es gelte, Schönheit sehen zu lernen, Zusammenhänge zu begreifen und Wertmaßstäbe zu entwickeln. Deshalb führe das Europäische Haus der Stadtkultur im Auftrag der nordrhein-westfälischen Landesregierung unter dem Titel `Sehen lernen` eine Kampagne durch, die mit Sehstationen, Aktionen und Veranstaltungen Menschen aller Generationen dazu aufrufe, sich mit ihrer gebauten Umgebung auseinanderzusetzen. Was in unseren Städten passiert, ist nach Dahlheimer nicht nur ein Ausdruck äußerer Einflüsse, sondern eine Frage der Haltung, die wir gegenüber unserer Umgebung und unserer Stadt einnehmen. Eben hierzu vermöge Fotografie auch einen Beitrag zu leisten.
Fotografie - Stadt - Licht
Ein Nacht(er)leben besonderer Art bot eine abendliche Exkursion im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung »Destroy / Create«. Der Lichtplaner und -designer Christian Breil führte Fotografen und Planer zu `Lichtorten` in Gladbeck, die neue innerstädtische Perspektiven und Raumeindrücke vermitteln. Besucht wurden die Innenstadt von Gladbeck sowie ein inszenierter Verkehrsknotenpunkt im Norden der Stadt. Im intensiven Austausch vor Ort kamen beteiligte Planer, Anwohner, Akteure und Nutznießer der Projekte, wie der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes Georg Hahne, der Stadtplaner Achim Mirosavljewitsch-Lucyga und der Lichtdesigner Gereon Breuckmann zu Wort und konnten über ihre Erfahrungen berichten. Unter den Teilnehmern waren v. a. Lichtkünstler und Fotografen vertreten, die sich in ihrer Arbeit mit Lichtprojekten und Lichtinszenierungen von Landschaften befassen. Besonders begrüsst wurde die Möglichkeit, einen intensiven Einblick `hinter die Kulissen` der Projekte zu bekommen.
Hintergrund
Wahrnehmung und Eindrücke städtischer Räume durch den gezielten Einsatz von Licht positiv zu verändern, gewinnt in der Entwicklung unserer Städte zunehmend an Bedeutung. Bilder von Orten ändern sich durch den Einfluss von Licht oft grundlegend und schaffen neue Zugänge und Emotionen zu den urbanen Situationen. Mit einer veränderten Illumination entstehen Stadtbilder, die neue Perspektiven für Meideräume denkbar machen und so Ideen zu einer veränderten Nutzung den Weg bereiten.
Nicht selten sind die Innenstädte mit einem Wirrwarr von Licht zugepflastert. Der eigentliche Raum und die Architektur sind nicht mehr zu erkennen. Genau hier setzen die Konzepte und Umsetzungen von Christian Breil an. Durch die veränderten städtischen Bilder sollen sich Zugang und Nutzung von Stadtbereichen während der dunklen Tageszeiten ändern und die Entwicklung innerstädtischer Bereiche fördern. Seit Mitte der 1980er Jahr ist Christian Breil als Architekt tätig. Nach seiner langjährigen Tätigkeit in der Lichtplanung bei Erco Leuchten GmbH, u. a. Mitarbeit am Handbuch der Lichtplanung, betreibt Christian Breil seit dem Jahr 2000 ein eigenes Planungsbüro (light-ing_Architektur_Lighting Design). Insbesondere die Lichtentwürfe von Breil für Stadt- und Freiräume belegen, wie Wahrnehmung und Befindlichkeit von Menschen über Licht modifiziert werden kann. Einsehen und überblicken, hineinschauen, zuschauen und durchschauen - im Spiel mit den Lichtverhältnissen reflektiert er urbane Situationen, verändert Sehbedingungen und realisiert neue visuelle Bezugspunkte. Seit 2002 ist Breil Professional Lighting Designer PLDA, Professional Lighting Designers Association. Den FLL Arbeitskreis Licht im Freiraum, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau e.V. leitet er seit nunmehr fünf Jahren. Neben zahlreichen Lichtprojekten im nationalen und internationalen Kontext engagiert sich Breil auch im Bereich von Workshops, Seminaren, Vorträgen und Wettbewerben.
HAUTNAH - BEGEGNUNG MIT MENSCHEN IM NEUEN EMSCHERTAL
In unterhaltsamen Reportagen portraitiert der Schriftsteller Hans van Ooyen die vielfältigen Gesichter des Emschertales. Erstmals stellte er im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung »Destroy / Create« einige seiner neuen Reportagen vor: Sie führten zu Kindern im Friedensdorf Oberhausen, zu Archäologen an der Emscher in Castrop und zu einem denkwürdigen Sklavengrab mitten in Deutschland. Seine Geschichten aus dem Neuen Emschertal greifen das Thema `Destroy and Create` auf - in unerwarteten und spannenden Bildern erzählt er von Zerstörung und Lebenskraft in einer Landschaft des Wandels. Neben Fotografinnen und Fotografen waren zu dieser Lesung auch Menschen gekommen, denen sich Hans van Ooyen in seinen Reportagen gewidmet hat.
BRIDGES - FOTOPROJEKT TRIFFT »THE FAMILY OF MAN«
Eine Exkursion in die Cité de l` image, Clervaux / Luxemburg
Die Exkursion `Bridges - Fotoprojekt Emscher Zukunft trifft The Family of Man` bot einen intensiven Einblick in die weltberühmte Ausstellung. Nach einer Begrüßung durch den Bürgermeister von Clervaux, Ives Arend, und den Direktor des Naturparks Our, Christian Kayser, präsentierte Anke Reitz, verantwortliche Projektmanagerin des Staates Luxemburg, das Konzept und erläuterte viele Hintergrundaspekte, u. a. zu Fragen der Entstehung der Ausstellung, zum langfristigen Erhalt und zur Nutzung der Bilder unter konservatorischen Gesichtspunkten. Neben den beeindruckenden Fotos waren insbesondere die vielen Informationen über die Ansprache und Zusammenführung der vielen beteiligten Autoren in den 1950er Jahren sowie sehr aufschlussreich.
Annick Meyer, verantwortliche Projektmanagerin für die Cité de l`image, stellte zeitgenössische fotografische Arbeiten im öffentlichen Raum von Clervaux vor. Eine aktuelle Ausstellung von Jordis Antonia Schlösser `Auf der Kippe - Rumänien` rundete die Eindrücke zu den verschiedenen Ausstellungsansätzen des Projektes ab.
Das gemeinsame Gespräch der Exkursionsteilnehmer mit den Partnern in Clervaux führte zum intensiven Austausch aktueller Fragestellungen in beiden Projekten: u.a. zur langfristigen Bedeutung und zum Nutzen fotografischer Sammlungen, zu Möglichkeiten und Wirkungen fotografischer Ausstellungen im öffentlichen Raum und die Auseinandersetzung mit regionalspezifischen Themen- und Fragestellungen im Zuge der Entwicklung von Regionen.
Die Begegnung regte nachhaltig zu weiterführenden gemeinsamen Aktivitäten und zum intensiven Austausch zwischen den Projekten an. Für Anfang September wird sich Bridges Fotoprojekt in Zusammenarbeit mit anderen Partnern im Emschertal (u.a. Kooperation Soziale Stadt NRW, Fachhochschule Dortmund und Stadt Herne) für eine gemeinsame Exkursion zur Eröffnung der aktuellen Dauerausstellung der Cité de l`image einsetzen, an der u.a. zwei Fotografen aus Dortmund mit einer Arbeit zu Bewohnern im Herner Stadtteil Dannekamp beteiligt sind.
Hintergrund
The Family of Man
Die Sammlung The Family of Man wurde 1955 von Edward Steichen im Rahmen eines groben Ausstellungsprojekts zusammengestellt. Sie umfasst 503 Fotografien von 273 Autoren aus 68 Ländern. Thematisch ist das Werk in 37 Motive gegliedert. Nach der Eröffnung der Ausstellung im MoMA in New York wurde die Sammlung zur Wanderausstellung und bereiste fast den ganzen Planeten. 1964 schenkte die amerikanische Regierung dem Großherzogtum Luxemburg die letzte noch existierende Version der Wanderausstellung. Seit 1994 befindet sich The Family of Man nun im Schloss von Clervaux. Die Dauerausstellung, heute Teil der Geschichte der Fotografie und des UNESCO Weltdokumentenerbes, spielt seither eine wichtige Rolle für das kleine Ardenner Städtchen.
Clervaux - cité de l`image
Die Gemeinde Clervaux liegt im nördlichen Luxemburg in mitten des Naturparks OUR. Die Sammlung The Family of Man bildet die Grundlage und den Ausgangspunkt für ein kulturelles Projekt das 2004 seinen Anfang nahm und sich zur Aufgabe gemacht hat, Clervaux in eine `cité de l`image` (frei übersetzt, `Stadt der Bilder`) zu verwandeln. Ziel ist es, Konzepte fotografischen Schaffens im ländlichen Raum darzustellen, zu vermitteln und zu fördern. Der Schwerpunkt liegt auf der zeitgenössischen Fotografie.
Der Kooperation zwischen dem Naturpark Our und der Gemeinde Clervaux ist es zu verdanken, dass aus dem kulturellen Entwurf `cité de l`image` seit September 2008 eine Vereinigung ohne Erwerbszweck geworden ist. Clervaux - cité de l`image organisiert verschiedene Projekte: hierzu gehören unter anderem temporäre Ausstellungen mit zeitgenössischer Fotografie, aber auch die sogenannten « Gärten », die Ausstellungsraum unter freiem Himmel bieten. Frei zugänglich zeigen sie seit nunmehr vier Jahren großformatige Fotografien im öffentlichen Raum.
Naturpark Our
Der Naturpark ist der eigentliche Initiator dieses Projektes Clervaux - cité de l`image. Seine Aufgaben sind der Schutz der Natur sowie die ökonomische und kulturelle Entwicklung der Region. Der Naturpark ist in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Umweltbildung und Kultur tätig. Clervaux ist eine der 11 Gemeinden, die den Naturpark Our ausmachen.
Kooperation
Hintergrund der Kooperation zwischen Bridges - Fotoprojekt Emscher Zukunft, der Ausstellung `The Familiy of Man`, der Stadt Clervaux - Cité de l`image und dem Naturpark OUR in Luxemburg:
Im Mittelpunkt der jüngst entwickelten Kooperation stehen gemeinsame Veranstaltungen im Rahmen eines gegenseitigen Austausches beider fotografischer Projekte. Basis der Zusammenarbeit sind die Bemühungen der Partner, Fotografie im Kontext regionaler Entwicklung einzubeziehen und zu fördern. Themen sind u. a. die landschaftliche Entwicklung und Wahrnehmung sowie die Umsetzung fotografischer Projekte in Zusammenhang mit der Entwicklung der Region in den Ardennen bzw. im Emschertal. Der Austausch auf internationaler Eben soll hier Impulse und Begegnung zum gegenseitigen Nutzen bringen. Die Kooperation soll auch einen Beitrag dazu leisten, den Blick auf Möglichkeiten von Fotografie im Kontext regionaler Entwicklung und Planung zu schärfen.
Die Podiumsveranstaltung "Kann Fotografie Zukunft gestalten? - Der Einfluss von Bildern auf Planungsprozesse" im Rahmen der diesjährigen Ausstellung Floating Colors Anfang August hat weitere Zeichen gesetzt. Das Fachmagazin Planerin der SRL hat den Themenbereich für sich entdeckt und in der aktuellen Ausgabe einen Beitrag zur Veranstaltung veröffentlicht. Damit wird der Dialog weiter in die Planungswelt getragen ( www.srl.de ).
mehrIm Jahr 2006 wurden im Rahmen der Preisverleihung von Bridges - Fotoprojekt Emscher Zukunft von der Jury Konzepte zur Umsetzung empfohlen. In diesem ersten Durchgang war eine zwingende Umsetzung von Konzepten mit ausgelobten Preisgeldern noch nicht vorgesehen. Vielmehr sollte Zug um Zug eine Realisierung angegangen werden. Im Rahmen dieses Engagements konnte nun das Konzept Lebensraum Emscher, ein Projekt von Studierenden der Folkwang Hochschule neben anderen Arbeiten umgesetzt werden. Entstanden ist der Aufbau einer Bilddatenbank.
mehrStrukturwandel ist das Kernthema einer zweisemestrigen Lehrveranstaltung an der FH Dortmund im Rahmen eines Lehrauftrages der Fotografin Barbara Burg. Barbara Burg betreibt in Köln das Unternehmen Palladium Fotodesign und ist amtierende Vorstandssprecherin des BFF. In Zusammenarbeit mit Bridges - Fotoprojekt Emscher Zukunft setzen sich die Studierenden mit Aspekten des Wandels in der Emscherregion auseinander.
mehrDieser Frage widmeten sich zahlreiche Experten aus Fotografie und Planung in einer Podiumsveranstaltung am 07. August im Rahmen der aktuellen Ausstellung Floating Colours. Im Mittelpunkt der Diskussionsrunde, im voll besetzten Ausstellungssaal des LWL Industriemuseums Zeche Zollern, stand die Auseinandersetzung darüber, ob und wenn ja wie Bilder Einfluss auf Planungsprozesse nehmen können.
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